Natalie Andrione

6 Gründe, warum Hypnose nicht funktionieren kann

1. Angst vor Manipulation

Wenn man Angst vor der Hypnose hat, hat man auch Angst, sich voll auf diese einzulassen. Man kann sich nicht fallen lassen und bleibt in seinem Alltagsbewusstsein. Misstrauen und Kritik vor Unbekanntem ist im Grunde eine gesunde Reaktion, die seit Jahrmillionen unser Überleben sicherte. Der Klient reagiert also vollkommen richtig. Er schützt sich also vor Manipulation dritter. Das Gute an Hypnose ist, das ein Klient seine Persönlichkeit und seine Wertewelt nicht aufgibt. Sobald er in Hypnose ist, taucht er hinab zum Kern seiner Persönlichkeit. Von dort aus wird alles gesteuert; Meinung, Glaube, Überzeugung und vieles mehr. Dieser „Persönlichkeitskern“ ist selbst in Hypnose nicht ausgeschaltet, dumm oder willenlos. Er ist nach wie vor kritisch und hört genau zu. Er macht unter Hypnose nur Dinge zu seinem eigenen Vorteil mit. Was hätte es davon, vom Hypnotiseur manipuliert und ausgebeutet zu werden? Nur wenn der Klient von sich aus von seinem eigenen Vorteil überzeugt ist, kann eine Wirkung erzeugt werden. Käme ein Klient beispielsweise zur Abnehm-Hypnose in die Praxis und bekäme erzählt, wie lecker Süßes doch wäre und dass er mehr davon essen sollte, würde er diese Suggestion nicht akzeptieren, da sein vorrangiges Ziel das Abnehmen wäre. Es bräuchte keine Minute und der Klient zöge sich empört selbst aus der Hypnose. Arbeitet der Hypnotiseur jedoch im Sinne des Klienten, kann der Klient unheimlich davon profitieren.


2. Angst vor Kontrollverlust

Wer noch nie eine Hypnose erlebt hat, weiß auch nicht, was auf Ihn zukommt. Wenn auch noch Begriffe wie „hypnotisches Koma“ oder „Katatonie“ fallen, kriegt man erst recht ein leichtes Unbehagen. Mir ging es anfangs genauso. Sobald ich glaubhaft davon überzeugt war, das Hypnose einer tiefen, tiefen Meditation nahe kommt, konnte ich mich ohne weiteres darauf einlassen. Erst recht als ich wusste; ich kann jeder Zeit wieder aussteigen, sobald mir irgendwas komisch vorkommt.
Sinnvoll ist bei dieser Angst eine Aufklärung:
Sobald der Klient in eine Hypnose fällt, fällt er in eine tiefe Entspannung. Er ist also nicht bewusstlos. Der Klient hat sein Bewusstsein lediglich nach Innen gerichtet. Es ist beinahe so, wie kurz vor dem einschlafen; ein wohliger, ruhiger, angenehmer Zustand. Man ist voll da, bekommt alles mit, kann kommunizieren und mit entscheiden. Also ist man wie immer, nur viel entspannter und somit ganz in seiner Kraft. Dieser Zustand ist pure Entspannung und äußerst wohltuend. Sobald man sich voll und ganz auf diesen entspannenden Zustand einlässt, dürfte diese Erfahrung zu den wohl angenehmsten im Leben zählen.

3. Es nicht wahrhaben oder nicht glauben wollen

Die Psyche hat ungeahnte Stärken und Möglichkeiten. Grade mit Hypnose lassen sich diese sehr gut zum Ausdruck bringen. Wurde mit Hypnose beim Klienten gearbeitet und hat dieser sich von einer Blockade befreit, so kann er nun endlich unbeschwert von dieser leben. Oder doch nicht? Wir sind alle Menschen, verlassen uns gerne auf das, was wir kennen und schließen von der Vergangenheit auf die Zukunft: „Das war schon immer so“ Diese Überzeugung kann die positive Wirkung der Hypnose noch im Keim ersticken. Ein guter Hypnotiseur weiß bei solchen Überzeugungen präventiv zu arbeiten. Doch auch dieser kann bei solch einem standfesten Glauben wenig helfen. (Siehe Punkt 1: Angst vor Manipulation. Nichts geht gegen den Willen und Glauben des Klienten.) Daher ist es auch wichtig, dass der Klient offen für Veränderungen ist. Es reicht bereits, sich vor einer Sitzung beim Hypnotiseur ein inneres Bild des gewünschten Ziels vorzustellen und sich damit für dieses Ergebnis zu öffnen.


4. Hypnose als Hokuspokus ansehen

Hypnose ist keine Zauberei. Es ist ein ganz normaler Vorgang im Körper. Der Klient wird in so einen tiefen Entspannungszustand gebracht, dass Schmerzreize nicht mehr oder kaum noch an das Gehirn weitergeleitet werden. So wird beispielsweise eine narkosefreie Zahnbehandlung möglich. Auch im Unterbewusstsein gespeicherte Blockaden oder Glaubenssätze können in Hypnose effektiv behandelt werden. Sieht der Klient die Hypnose als Hokuspokus an, kann er sich möglicherweise nicht auf diese einlassen. Oder er verleugnet die daraus entstandenen Effekte, was bedeutet, dass diese zwar auftreten können, sie aber vom Klienten auf Grund seiner Überzeugung nicht gesehen oder für voll genommen werden. Ein typisches Beispiel ist, dass man den Hypnosezustand kaum merkt. Dass ist der Grund, weshalb viele denken, dass Hypnose nicht funktioniert hat.

5. Angst, zu viel von sich Preis zu geben

Kommt ein Klient zum Hypnotiseur und möchte ein bestimmtes Thema aufarbeiten, welches ihn belastet oder stört, gehen beide Parteien ein Vertrauensverhältnis ein. Der Hypnotiseur, sofern er als Coach, Therapeut oder Arzt arbeitet, unterliegt der Schweigepflicht. Der Klient sollte sich öffnen können, um die Arbeit des Hypnotiseurs zu ermöglichen. Beide wollen das Ziel des Klienten erreichen. Dies kann bei verschwiegenen Informationen evtl. unmöglich oder schwer werden. Möchte der Klient diese Informationen nicht preisgeben, ist das völlig verständlich. Manchmal gelingt es dennoch, trotz des fehlenden „Puzzleteils“ zum gewünschten Erfolg zu kommen.


6. Selbstschutz und innere Blockaden

Klienten haben in ihrer Vergangenheit unangenehme Dinge erlebt und wollen diese verständlicherweise nicht wieder aufwühlen. Sie können oder wollen es also (noch) nicht.
Entweder fragt man nach den Gründen und erarbeitet sich zusammen einen Weg oder die Thematik wird nicht bearbeitet, weil es jetzt nicht möglich ist.
Es gibt Klienten, die in Ihrem Leid gefangen sind und teilweise nicht wieder raus wollen. Sie sind also blockiert oder blockieren sich selbst aus Selbstschutz oder guten anderen Gründen.
Nichts geht gegen seinen freien Willen. Wir können den Klienten weder zwingen, noch können wir zaubern. Es ist immer ein miteinander, ähnlich wie beim Tanzen. Bleibt einer stehen, ist der Tanz vorbei.